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«Ich würde gerne andere Menschen unterstützen mit dem, was ich kann und mit einer Arbeit, die wirklich zu mir passt»

Andrea Glättli, Hirntumor-Survivorin 

Porträt Andrea Glättli

«Seit meiner Krebserkrankung als Teenager bin ich tagtäglich mit den Langzeitfolgen meiner Krankheit und der Therapie konfrontiert: Ich bin oft müde und vergesse viel, weil mein Kurzeitgedächtnis nicht mehr so gut funktioniert. Da mein Gehirn die Bilder, die das rechte Auge macht, nicht komplett mit den Bildern des linken Auges zusammenfügen kann, sehe ich Doppelbilder. Das ist sehr anstrengend und ich muss für Vieles andere Strategien finden, um im Alltag zurechtzukommen. Zudem hat sich meine Lähmung auf der rechten Seite verstärkt. Das alles schränkt mich in meinem Alltag ein, aber ich bin ein positiver Mensch und habe viel Unterstützung durch meine Eltern bekommen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Schwierig ist für mich, mit der Diskrepanz zu leben, eigentlich sehr viel zu können, aber in manchen Bereichen aufgrund des Hirntumors und der Spätfolgen mit mehr oder weniger unüberwindbaren Beeinträchtigungen zu kämpfen. Diese haben je nach Tagesform einen unterschiedlichen Einfluss auf meine Leistungsfähigkeit und sind im Arbeitsumfeld eine grosse Hürde.» 

verschiedene Flaschen mit Holunderblütensirup

Selbstgemachte Produkte aus der Andreas Manufaktur 

«Die medizinische Behandlung in der akuten Phase der Behandlung ist sehr gut. Aber nach der Reha wird es schwieriger, wieder in einen „normalen“ Alltag zurückzukehren, sei es in die Schule, Lehre oder den Beruf. Gerade hinsichtlich der beruflichen Integration bräuchte es unbedingt noch mehr Angebote auf dem Arbeitsmarkt. Solange ich in der Schule war, ging es noch, aber danach wurden die Hürden immer grösser für mich. Die teilgeschützte KV-Lehre habe ich dank meines Vaters gefunden, als ich jedoch damit fertig war, stand ich vor verschlossenen Türen. Von der Invalidenversicherung (IV) habe ich leider nur wenig konkrete Unterstützung erhalten. Als Hirnverletzte erhalte ich zwar eine kleine IV-Rente, aber ich möchte arbeiten und meine Fähigkeiten in einem Betrieb einbringen. Ich weiss, dass ich viele Stärken habe. Auch ich möchte mit dem, was ich kann, einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Menschen wie ich fallen durch die Maschen: An einem Arbeitsplatz in einer geschützten Werkstatt bin ich – vereinfacht gesagt – unterfordert und auf dem freien Arbeitsmarkt wahrscheinlich überfordert. Ich fühle mich oft alleine gelassen und wäre ohne meine Eltern nicht da, wo ich heute stehe.»

«Trotz meiner Einschränkungen habe ich es geschafft, mir ein eigenständiges Leben aufzubauen. Ich bin mit 31 von Zuhause ausgezogen und habe mir den Traum von einer kleinen Manufaktur erfüllt, auch wenn ich davon nicht leben kann. Natürlich bin ich immer wieder mal traurig darüber, was mir passiert ist. Aber ich orientiere mich viel stärker an dem, was gut ist. Ich hätte auch sterben oder zum Pflegefall werden können. Stattdessen bin ich noch hier und stehe mit beiden Beinen im Leben. Es gibt viele Möglichkeiten, und als offener Mensch gehe ich gerne auf andere zu. Die Folgen meiner Krankheit und der Therapie werden mich ein Leben lang begleiten und obwohl sie mich einschränken, möchte ich als gleichwertiger Mensch angesehen werden. Die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, werden nicht weniger, aber ich mache weiter im Leben, und diese Fortschritte sind es, die mir Kraft geben. Ich würde gerne andere Menschen unterstützen mit dem, was ich kann und mit einer Arbeit, die auch wirklich zu mir passt. Es wäre toll, einen Stelle zu finden, wo ich diesen Mehrwert schaffen und meine Freude am Sein weitergeben könnte.»

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