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Interview mit 
Dr. med. Dr. sc. nat. 
Ana Guerreiro Stücklin

Neuroonkologin und Oberärztin am Universitäts-Kinderspital Zürich, spezialisiert auf Hirntumore bei Kindern und Jugendlichen. Für ihre herausragende Forschung hat sie mehrere Auszeichnungen erhalten. Ihre Erkenntnisse tragen dazu bei, Krebstherapien zu verbessern und neue Behandlungsmethoden zu entwickeln.

Porträt Ana Guerrerio Stücklin

Frau Guerreiro Stücklin, Sie erforschen Hirntumore bei Kinder und Jugendlichen. Was genau interessiert Sie daran?
Man muss wissen, dass Hirntumore die zweithäufigste Krebsart und leider auch die häufigste krebsbedingte Todesursache im Kindesalter sind. Auch wenn sich die Überlebenschancen in den letzten Jahrzehnten dank medizinischer Fortschritte beachtlich verbessert haben, bleiben viele Arten von Hirntumoren bei Kindern nach wie vor unheilbar. Mich treibt deshalb die Frage nach dem «Warum» an. Zusammen mit meinem Team untersuchen wir im Labor, welche Moleküle beeinflussen, dass das Tumorgewebe nicht auf Behandlungen anspricht. Dabei ist unser langfristiges Ziel, für betroffene Kinder bessere Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.


Für Ihre Forschungsarbeiten wurden Sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Um welche Themen geht es dabei?
Generell versuchen wir, die Biologie von Hirntumoren besser zu verstehen, um bei Tumoren, die eine besonders schlechte Prognose haben, neue Medikamente für die Behandlung zu finden. Auch wenn manche Kinder geheilt werden können, gibt es Patienten, bei denen die Therapie versagt. Hinzu kommt, dass auch nach einer erfolgreichen Behandlung das Risiko für einen Rückfall besteht. Bei einem Rezidiv kann der Tumor sich verändert haben und so aggressiv sein, dass er – in seiner neuen Form - nicht mehr heilbar ist. Es gibt zwar viele Studien, die auf Tumorarten bei der Erstdiagnose fokussieren, aber nur wenige im Falle eines Rezidivs. Ein Medulloblastom zum Beispiel, der häufigste maligne Hirntumor bei Kindern, spricht bei einem Rezidiv nicht mehr auf die übliche Chemo- und Radiotherapie an.


Um was genau geht es bei Ihrem Projekt?
Wir wissen heutzutage viel über den genetischen «Bauplan» von Tumoren. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, wie die Zellen auf Krebsmedikamente reagieren. Im Labor untersuchen wir deshalb Tumorzellen aus der Klinik und testen diese mit neu entwickelten Medikamenten. Wir untersuchen, welche dieser vielen Medikamente für eine bestimmte Tumorgruppe am wirksamsten sind, indem sie zum Beispiel das Wachstum hemmen. In einigen Fällen können die Forschungsergebnisse, die wir daraus gewinnen, sich dann auf die individuelle Therapie anwenden lassen. Darüber hinaus arbeiten wir an der Entwicklung neuer Behandlungskonzepte. So werden Erkenntnisse aus unseren Experimenten in neuen Studienprotokollen berücksichtigt, mit denen die Patientinnen und Patienten in Zukunft behandelt werden können. Auch wenn die Grundlagenforschung im Labor stattfindet, kommen die Fragen aus dem klinischen Alltag und die Antworten fliessen wiederum in die Therapien ein - unsere Arbeit kommt somit den krebskranken Kindern direkt zugute.


Welches sind Ihrer Meinung nach die grössten Herausforderungen?
Unser Ziel ist es, neue Therapieansätze zu entwickeln, um die Prognosen für Kinder mit unheilbaren Hirntumoren zu verbessern. Um dies zu erreichen, ist kontinuierliche Forschung enorm wichtig, und damit einhergehend eine laufende finanzielle Unterstützung. Deshalb sind wir so dankbar für Spenden und Fördergelder, denn unsere eigene Arbeitskraft ist im Labor viel wertvoller eingesetzt als bei der Suche nach zusätzlichen Mitteln.  


Was motiviert Sie am meisten bei Ihrer Arbeit?
Als Wissenschaftlerin fasziniert mich natürlich in erster Linie das Forschungsgebiet der Onkologie. Aber als Ärztin liegt mir vor allem das Wohl meiner Patientinnen und Patienten am Herzen. Durch die Forschung eröffnet sich eine Welt von Möglichkeiten, die Hoffnung macht, dass Kinder mit unheilbaren Krebsarten in Zukunft geheilt werden können. Jede Patientin und jeder Patient ist ein Unikat, wie ein Rätsel, das wir lösen müssen. Dank der neueren Forschung wissen wir, dass Krebstumore weitaus vielfältiger sind als bisher angenommen. Aus diesem Grund sollte jeder Tumor einzeln untersucht werden, damit jedes Kind die beste Therapie erhält. Nur mit neuen Forschungserkenntnissen können wir sicherstellen, dass schwer kranke Kinder bessere Therapien und damit bessere Heilungsaussichten erhalten.

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