Unser Engagement

Behandlung von Kinderkrebs

Die Behandlung krebskranker Kinder und Jugendlicher wird in der Schweiz mit Ausnahme einzelner Therapieschritte ausschliesslich an den neun für Kinderonkologie spezialisierten Zentren durchgeführt. Diese Zentren befinden sich in den fünf Universitätsspitälern Basel, Bern, Lausanne, Genf und Zürich sowie in St. Gallen, Luzern, Aarau und Bellinzona. Gewisse Therapien, wie zum Beispiel Knochenmarktransplantationen oder spezielle chirurgische Eingriffe, sind nur an wenigen Zentren möglich. In diesen Fällen arbeiten das wohnortsnahe und das spezialisierte Zentrum zusammen.

Eine Krebserkrankung bei Erwachsenen kann sich lange hinziehen – bei Kindern endet sie ohne Behandlung meist schon nach Monaten tödlich, denn die kindlichen Tumoren zeigen fast immer ein sehr viel «aggressiveres» (d. h. rascher fortschreitendes) biologisches Verhalten. Die Herausforderung besteht darin, die Langzeit-Nebenwirkungen infolge der aggressiven Therapie bei Kindern und Jugendlichen möglichst gering zu halten. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass die eingesetzten Medikamente nicht für Kinder entwickelt wurden (sogenannter «off-label use»).

Langfristige Lebensqualität

Damit diese dennoch in wissenschaftlich kontrollierter Weise eingesetzt werden, braucht es klinische Studien, hauptsächlich Therapieoptimierungsstudien. Bei diesen Studien werden – vereinfacht gesagt – im Erwachsenenbereich bewährte Therapien an die Behandlung von Kindern angepasst und bekannte Therapiepläne mit neuen, vielversprechenden Ansätzen ergänzt. Gerade in der Kinderonkologie spielen diese Studien eine wichtige Rolle. Diese werden schweizweit durch eine Mitgliedsorganisation von Kinderkrebs Schweiz, der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologie Gruppe SPOG, koordiniert und durchgeführt. Alle Schweizer Kinderonkologiezentren sind Mitglieder der SPOG und können dadurch Behandlungen im Rahmen klinischer Studien anbieten. Damit ist ein hohes Mass an Qualitätskontrolle und eine Behandlung auf dem höchsten Niveau des Fachwissens gewährleistet. Da Kinder an anderen Krebserkrankungen leiden als Erwachsene und da sie auf Medikamente anders reagieren, benötigen sie Therapien, die speziell auf sie zugeschnitten sind.

Damit krebsbetroffene Kinder und Jugendliche nach erfolgreicher Therapie auch längerfristig eine gute Lebensqualität haben, ist die Reduktion der Spätfolgen ein wichtiges Thema in der Optimierung der Behandlungsmöglichkeiten: Da Kinder noch wachsen und sich entwickeln, reagieren sie besonders empfindlich auf aggressive Therapien. Aus diesem Grund leiden manche ehemalige Kinderkrebspatienten stark unter Spätschäden der Krebsbehandlung. Beispiele sind Amputationen, Wachstumsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Störungen im Hormonhaushalt, Unfruchtbarkeit, Kognitive Einschränkungen (v. a. bei Hirntumoren) oder ein erhöhtes Risiko für eine zweite Krebskrankheit. Dabei treten gravierende Spätfolgen oft erst Jahrzehnte nach der Genesung auf. Um sie früh zu erkennen, sollten ehemalige Kinderkrebspatienten regelmässig untersucht werden. Aus diesem Grund ist bei Kindern die Nachsorge ein sehr wichtiges Thema. In diesem Bereich der Nachsorge und der Nachkontrolle sowie bei der Überführung von Kinderkrebspatienten in die Erwachsenenmedizin («Transition») besteht in der Schweiz Nachholbedarf.

Nach Ende der Behandlung sehen die meisten Therapieprotokolle eine Reihe von standardisierten Nachuntersuchungen vor. Allerdings sind die Nachuntersuchungen, die mehr als fünf Jahre nach Therapieende durchgeführt werden und auch die Langzeitfolgen untersuchen, noch nicht einheitlich geregelt.