Tag der betreuenden Angehörigen – Ein Dank an die Pflegenden im Hintergrund

22. November 2018

In der Westschweiz findet seit sieben Jahren eine vom Kanton Waadt initiierte politische Aktion am 30. Oktober statt: der Tag der betreuenden Angehörigen. Unsere Mitgliedsorganisation ARFEC nimmt diesen Tag zum Anlass, um diesen so wichtigen Pflegenden im Hintergrund Anerkennung zu zeigen.

Im Laufe der Zeit haben sich alle französischsprachigen Kantone dieser Initiative angeschlossen und organisieren diverse Aktionen für die betreuenden Angehörigen: Konferenzen, Ausstellungen, Debatten usw.

Für alle Patienten steht diese wichtige "Schattenarmee" im Mittelpunkt, dennoch konzentriert sich die Diskussion bei diesem Thema immer noch hauptsächlich um die der Pflege zu Hause für ältere Menschen. Doch viele der Betreuenden müssen einen erkrankten Ehepartner oder ihr Kind unterstützen.

Die Beziehung zwischen dem pflegenden Angehörigen und der zu betreuenden Person basiert natürlich in erster Linie auf einer emotionalen Bindung und Zuneigung. Kein Angehöriger würde seinen Platz als Pflegender einfach verlassen wollen. Dazu ist diese Verbindung zu wichtig und oft zu stark.

Aber wie wirkt sich die Herausforderung der Pflege eines Ehepartners oder eines Kindes für den Betreuenden im Alltag aus? Oft sind sie körperlich und seelisch erschöpft durch die Kombination von Berufsalltag und Pflege der zu Betreuenden. 

Diese Kombination zwingt die Berufstätigenden zum Spagat zwischen beiden Verpflichtungen, um ihren Arbeitsplatz und die finanzielle Sicherheit behalten zu können.  

Die Altenpflege zu Hause wird meist durch Angehörige geleistet, die bereits pensioniert sind. Nicht mehr im Arbeitsalltag integriert, können diese Pflegenden die notwendige Zeit für eine qualitativ hochstehende Betreuung aufwenden, ohne dass ihr Renteneinkommen davon betroffen ist.

Wenn es jedoch um einen berufstätigen Ehepartner oder ein Kind geht, sind die Kosten enorm, und um alles unter einen Hut zu bringen, setzen viele pflegende Angehörige ihre körperliche und geistige Gesundheit aufs Spiel. Für die Pflege ihres kranken Kindes erhalten Arbeitnehmer gerade mal 3 Tage bezahlte Abwesenheit. Eine Krebstherapie dauert aber bis zu einem Jahr. Verdienstausfälle werden bisher nicht gedeckt, es gibt in dieser Situation auch keinen Kündigungsschutz, zusätzliche Kosten im Zusammenhang mit der Behandlung (z.B. Unterkunft in Spitalnähe, Fahrkosten etc.) werden von keiner Krankenkasse übernommen.

Berufstätige Eltern sind Steuerzahler, die für die gute finanzielle Lage einer Gesellschaft unerlässlich sind. Doch befinden sie sich bei der langfristigen Pflege ihres Kindes in einer Situation finanzieller Unsicherheit - für ein Land wie unseres nicht akzeptabel. Dazu kommt die Anhäufung der Sorgen (Gesundheit des Kindes, Arbeitsplatz, finanzielle Ressourcen), die zu einem zerstörerischen Mix für den Gesundheitszustand des Betreuenden wird. Das macht es sehr schwierig, Hilfe zu leisten.

Ende 2018 hat der Kanton Waadt zu einer Konsultation des Bundes zu diesem Thema Stellung bezogen und unterstützt offiziell ein finanzielles und soziales Angebot. Wir hoffen, dass auch andere Kantone folgen und Stellung nehmen. Auch Abgeordnete sollten sich dem anschliessen, damit endlich Platz und Anerkennung für pflegende Angehörige geschaffen wird, insbesondere für die berufstätigen. Eine Unterstützung ermöglicht es jedem pflegenden Angehörigen, ohne finanzielle Sorgen eine nahestehende Person pflegen zu können.

Ganz zu schweigen davon, dass jeder pflegende Angehörige der Gesellschaft erhebliche Kosten spart! Wie hoch wären die Kosten für professionelle Hilfe im Alltag, wenn sich die Angehörigen stattdessen nur um ihren Beruf kümmern würden?

Wir sind natürlich besorgt über die Zukunft der Familien, die durch die Krankheit ihres Kindes mehrfach betroffen sind: Sie leben mit der Angst vor der Krankheit und der Angst, ihren Job zu verlieren. Zudem existieren nicht dieselben Angebote für Hilfe und Betreuung zu Hause wie bei der Altenpflege.

Dennoch sind wir zuversichtlich, dass unser Anliegen endlich gehört wird und dass die Abstimmung über die laufende Konsultation Früchte tragen wird.

Den pflegenden Angehörigen zu helfen bedeutet, dem Patienten zu helfen und auch öffentliches Geld zu sparen.

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