Folsäure könnte Leukämie-Risiko senken

15. Dezember 2015

Dass die Einnahme von Folsäure während der Schwangerschaft das Risiko für einen "offenen Rücken" beim Kind senkt, ist bekannt. Möglicherweise schützt das Vitamin auch vor gewissen Formen von Leukämie, wie eine neue Studie zeigt. (sda)

(sda) Auf den ersten Blick haben Spina bifida - der Wirbelspalt oder offene Rücken - und Leukämien bei Kindern nichts miteinander zu tun. Während es sich bei Spina bifida um eine frühe Störung der Embryonalentwicklung handelt, die etwa bei einer von 1000 Geburten auftritt, sind Leukämien Krebserkrankungen des blutbildenden Systems. Diese treten bei Kindern nur sehr selten auf.

Doch nun weist eine von der Krebsliga Schweiz unterstützte Studie darauf hin, dass beide Leiden auf einen Mangel an Folsäure, auch Vitamin B9 genannt, zurückzuführen sein könnten. Die Schweizer Ärztin Semira Gonseth und ihr Team an der Universität von Kalifornien haben das Erbgut von 343 gesunden Kindern untersucht, die als Kontrollgruppe an der "California Childhood Leukemia Study" teilnehmen.

Dabei geht es der Forscherin nicht um klassische Erbgutschäden oder kaputte Gene, wie die Krebsliga schreibt. Ihr Interesse gilt vielmehr so genannten epigenetischen Veränderungen, die sich nicht anhand von Mutationen festmachen lassen und sich auch dann auswirken, wenn die genetische Information intakt bleibt.

Epigenetische Mechanismen

Gesundheit hängt nicht nur von möglichst fehlerfreien Genen ab, sondern in viel grösserem Ausmass auch davon, dass die Gene korrekt reguliert sind - und beispielsweise im Embryo zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gebraucht und dann wieder abgeschaltet werden. Der wichtigste epigenetische Abschaltknopf besteht aus kleinen chemischen Anhängseln, so genannten Methylgruppen, die eine komplexe Maschinerie im Inneren der Zellen am Erbgut anbringt.

Bei den biochemischen Reaktionen dieser Methylationsmaschinerie in den Zellen spielt die Vitaminzufuhr der werdenden Mütter eine zentrale Rolle. Wie die Forschenden in der Fachzeitschrift "Epigenetics" berichten, war das Erbgut des Nachwuchses umso stärker methyliert, je weniger Folsäure die Mütter zu sich nahmen.

Die grössten Unterschiede in der Methylation stellten die Wissenschafter an vier Stellen des Erbguts fest. Zwei davon befinden sich gleich neben Genen, die mit der Entwicklung des Nervensystems in Zusammenhang stehen. Eine weitere verschieden stark methylierte Stelle im Erbgut steht neben Genen, die das Krankheitsgeschehen von Krebs - einschliesslich der Leukämien - bestimmen.

"Möglicherweise schützt die Folsäure das sich entwickelnde Kind vor ungünstigen epigenetischen Veränderungen, die auch Krebs auslösen können", wird die Schweizer Postdoktorandin in San Francisco in einer Mitteilung der Krebsliga zitiert.

Noch liegt für Gonseth keine direkte Anwendung ihrer Erkenntnisse in Sicht, denn die biologischen Vorgänge

im Zellinneren entziehen sich bisher einem gezielten therapeutischen Eingriff. Sie sind ungleich dynamischer und komplexer als bisher gedacht - und bringen dabei doch ungeahnte Gemeinsamkeiten, etwa zwischen Spina bifida und Kinderleukämien, ans Licht.

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© Fotolia/oocoskun
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