Internationaler Kinderkrebstag 2021

15. Februar 2021

Am 15. Februar 2021 findet der internationale Kinderkrebstag statt. Im Rahmen dieses weltweiten Anlasses macht der Dachverband Kinderkrebs Schweiz auf die Situation krebs-kranker Kinder und Jugendlicher in der Schweiz aufmerksam. Immer noch stirbt hierzulande fast jede Woche ein Kind an Krebs und von denen, die überleben, leiden circa 80 Prozent an Spätfolgen der Krankheit und Therapie. Der gesellschaftspolitische Handlungsbedarf im Bereich Kinderkrebs ist weiterhin gross.

In der Schweiz erkranken jährlich rund 300 Kinder und Jugendliche an mehr als 60 verschiedenen Krebsarten. Obwohl Vier von Fünf die Krankheit dank medizinischer Fortschritte überleben, stirbt immer noch jedes fünfte Kind. Krebs gehört somit – nach Unfällen – zur zweithäufigsten Todesursache bei Kindern und Jugendlichen.

Kinderkrebsforschung in einer finanziellen Notlage

Kinderkrebs unterscheidet sich von den Krebserkrankungen, die bei Erwachsenen auftreten. Damit krebskranke Kinder optimal behandelt werden und die Spätfolgen der Therapie und Krankheit verringert werden können, ist eine speziell auf sie zugeschnittene Forschung essentiell. Aus finanziellen Gründen ist das für die Pharmaindustrie jedoch weniger lukrativ als die Erforschung von Erwachsenenkrebs, so dass es fast ausschliesslich Kinderonkologen sind, die an spezialisierten Kinderspitälern die Kinderkrebsforschung vorantreiben. Die staatlichen Mittel reichen aber bei Weitem nicht aus, so dass Kinderonkologen immer wieder gezwungen sind, sich über Spendengelder und Drittmittel zu finanzieren, um jedem Kind einen Zugang zur bestmöglichen Therapie zu geben und die Spätfolgen der intensiven Therapie und der Krankheit so gering wie möglich zu halten. „Diese Verantwortung kann nicht allein auf den Schultern der Kinderonkologen lasten. Wenn wir krebskranke Kinder in der Schweiz weiterhin mit den bestmöglichen und modernsten Therapien behandeln wollen, muss die Forschung dringend finanziell besser unterstützt werden“, so Valérie Braidi-Ketter, CEO von Kinderkrebs Schweiz.

Krebstherapien bei Kindern: Keine Kostenübernahmepflicht 

Die meisten Medikamente, mit denen krebskran­ke Kinder und Jugendliche heute behandelt werden, sind eigentlich nur für Erwachsene zugelassen. Deshalb sind die Krankenkassen bei Kindern grundsätzlich nicht zu deren Kostenübernahme verpflichtet. Bisher zeigten sie sich mehrheitlich kulant, aber immer wieder werden manche Medikamente nicht oder nur mit viel Aufwand zurückerstattet, was für Eltern und Kinder äusserst belastend sein kann. Dieses Problem wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. So werden Kinder seit Langem mit Medikamenten behandelt, die schon seit Jahrzehnten auf dem Markt und deshalb im Vergleich zur Erwachsenenmedizin für die Krankenkassen kostengünstiger sind. Dank der medizinischen Fortschritte werden auch Kinder zunehmend Zugang zu moderneren Therapien haben. Personalisierte Medizin und Immuntherapien sind jetzt schon bei gewissen pädiatrischen Krebskrankheiten die Therapie der Wahl. „Ihr Einsatz wird in den kommenden Jahren sicherlich zunehmen, was mit einem steigenden Kostendruck einhergehen wird“, so Prof. Dr. Nicolas von der Weid, Kinderonkologe und Präsident von Kinderkrebs Schweiz.

Versorgungslücke bei Schmerztherapie

Kinder, die eine Krebserkrankung haben, leiden oft unter starken Schmerzen und benötigen die bestmögliche Schmerztherapie. Umso dringlicher wird es, wenn sie in ihren letzten Lebenswochen palliativ versorgt werden müssen. Bisher konnten Kinderonkologen auf ein sehr effizientes Schmerzmittel zurückgreifen, dessen Produktion nun eingestellt wurde. Ein alternatives Arzneimittel, das bei kleinen Kindern anwendbar wäre, gibt es nicht. Zu wenig bekannt ist, dass mehrheitlich Kleinkinder unter vier Jahren an Krebs erkranken, diese Versorgungslücke trifft somit die kleinsten und schutzbedürftigsten Patienten. Ohne dieses Medikament müssen sie unter starken Schmerzen leiden, mit einer aufwendigen Schmerzmittelpumpe versorgt werden oder viel länger im Spital bleiben. Zusammen mit Kinderonkologen und weiteren Partnern aus dem Gesundheitsbereich hat Kinderkrebs Schweiz das Bundesamt für Gesundheit (BAG) aufgefordert, dringend eine Lösung für dieses Problem zu finden. „Der Handlungsspielraum des Bundes ist in der Medikamentenbesorgung generell begrenzt und vom Gesetzgeber so gewollt“, so das BAG. Eine Aussage, die für die betroffenen Kinder schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringt.

Der Internationale Kinderkrebstag, am 15. Februar 2021 zeigt auf, mit welch grossen Herausforderungen Kinder, Eltern und ehemalige Kinderkrebspatienten immer noch zu kämpfen haben. In der Schweiz geht es nun darum, wichtige gesellschaftspolitische Weichen zu stellen, in Bezug auf eine bessere Forschungsförderung, auf die Rückerstattung aller für eine Behandlung notwendigen Medikamente sowie im Hinblick auf eine bestmögliche Schmerztherapie. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle betroffenen Kinder und Jugendlichen Zugang zu den bestmöglichen Behandlungen erhalten. Dafür setzt sich Kinderkrebs Schweiz ein.

Mehr zum Internationalen Kinderkrebstag auch hier.

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Kinderkrebs Schweiz

Kinderkrebs Schweiz setzt sich ein für die Bekämpfung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sowie deren Folgen in der gesamten Schweiz  durch Aufklärung und Sensibilisierung, Förderung der Forschung im Kinderkrebsbereich und Unterstützung der Mitglieder.

Selbsthilfe

Von Betroffenen für Betroffene: Wir ermöglichen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sich gegenseitig Mut zu machen und bei Auszeiten neue Kräfte zu tanken.

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Nachsorge

Im Bereich Nachsorge und bei der Nachkontrolle sowie bei der Überführung von Kinderkrebspatienten in die Erwachsenenmedizin («Transition») besteht in der Schweiz Nachholbedarf. Eine Arbeitsgruppe Nachsorge nimmt sich dieser Themen an.

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Forschung

Kinderkrebs Schweiz arbeitet mit Schweizer Forschungsstiftungen zusammen und sucht gemeinsam mit diesen nach Möglichkeiten, die Forschungstätigkeit im Kinderkrebs-Bereich zu intensivieren.

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