Klinische Früh-Phasen-Studie

Klinische Früh-Phasen Studie

Frühe Klinische Studien (Early Clinical Trial ECT) eröffnen neue Therapiemöglichkeiten

Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter können glücklicherweise gut und erfolgreich behandelt werden: etwa 80% der betroffenen Patienten werden heutzutage in der Schweiz geheilt. Bei 20% der Patienten ist dies jedoch mit den heute verfügbaren Behandlungsmethoden nicht möglich. Für alle ist es wichtig, Medikamente zur Verfügung zu haben, die während der Therapiephase weniger belastende Nebenwirkungen haben und vor allem keine bleibenden Spätfolgen hinterlassen.

Medikamente, die bisher noch nicht für eine bestimmte Krebserkrankung eingesetzt wurden oder noch nicht an Kinder und Jugendliche abgegeben wurden, werden in kontrollierten Studien und nach strengen Vorgaben getestet. Diese Studien, sogenannte "Early Phase Clinical Trials" werden auch im Universitäts-Kinderspital Zürich in der Abteilung für klinische Früh-Phasen-Studien durchgeführt.

Dr. Nicolas Gerber ist Oberarzt der Abteilung für Onkologie und Leiter der Early Phase Clinical Trials Unit und beantwortet nachfolgend wichtige Fragen zu diesem Thema.

Was ist ein eine klinische Früh-Phasen-Studie (ECT) in der pädiatrischen Onkologie?
Eine ECT untersucht eine neue Therapie, von der wir hoffen, dass sie eine sinnvolle neue Therapiemöglichkeit für eine Erkrankung sein könnte. Dies kann ein neues, bisher in dieser Altersgruppe oder für eine bestimmte Erkrankung noch nie eingesetztes Medikament sein. Manchmal ist es sogar ein Medikament, das noch gar nicht erhältlich ist. Es kann sich aber auch um eine Kombination von einem neuen Medikament mit einer bisherigen Therapie handeln. Die Patientinnen und Patienten werden nach einem genau definierten Studienprotokoll behandelt und regelmässig untersucht.

Wie kann man an einer klinischen Früh-Phasen-Studie in Ihrer Abteilung teilnehmen?
Idealerweise wird ein Patient durch seinen behandelnden Onkologen an uns überwiesen. Ein pädiatrischer Onkologe aus unserem Team bespricht mit der Familie Inhalt und Ablauf der Studie und allenfalls auch Alternativen. Wenn die Familie weiter interessiert ist, unterschreiben die Eltern (und je nach Alter auch der Patient) gemeinsam mit dem Arzt eine Einverständniserklärung.

Wie weiss man, ob die Patientin / der Patient von der Studienteilnahme profitieren wird? Gibt es besondere Anforderungen, um an der Studie teilnehmen zu können?
Um festzustellen, ob ein Kind an der Studie teilnehmen kann, werden medizinische Untersuchungen durchgeführt z.B. Bluttests, eine Knochenmarkuntersuchung oder bildgebende Untersuchungen. Wenn die Bedingungen erfüllt sind, beginnt die Behandlung, welche in der Regel im Kinderspital Zürich stattfindet. In vielen Fällen handelt es sich um ambulante Therapien, so dass die Patientin / der Patient nur punktuell nach Zürich kommen muss und am gleichen Tag wieder nach Hause kann. Bei Patienten, die einen weiteren Weg haben, ist manchmal auch eine Aufteilung der Betreuung zwischen der bisherigen behandelnden Klinik und unserem Spital möglich. Nach Abschluss der Studie erfolgt die Betreuung durch die ‚Herkunftsklinik ‘.

Können Nebenwirkungen auftreten?
Aus bereits durchgeführten ECT-Studien und unserer eigenen Erfahrung zeigt sich, dass gerade neue, sogenannt „zielgerichtete“ Therapien häufig gut verträglich sind und gefährliche Nebenwirkungen selten sind. Trotzdem muss man aber klar sagen, dass wir nie im Voraus wissen, wie gut ein Patient eine Therapie tolerieren wird und ob sie die Erkrankung erfolgreich zurückdrängt. Das ist aber kein Unterschied zu den bisherigen, konventionellen Therapien.

Wie erfahren Eltern, ob es eine passende klinische Früh-Phasen-Studie für ihr Kind gibt?
In den vergangenen Jahren konnte eine zunehmende Zahl von klinischen Früh-Phasen-Studien (ECT) in Zürich gestartet werden. in der Liste sind alle aktuellen aufgeführt. Sollte ein ECT für eine bestimmte Krebserkrankung nicht aufgeführt sein, helfen wir gerne weiter, einen passenden ECT zu finden.